Ich habe euch zwar über Facebook schon kurz und knackig ein frohes neues Jahr gewünscht, aber hier kommen nun noch mal etwas ausführlichere Grüße und Infos aus meinem neuen Leben in der neuen Heimat. Also: Ich hoffe, ihr habt einen guten Rutsch gehabt, und wünsche euch ein tolles 2012!
Für mich war der Jahreswechsel etwas ungewöhnlich, denn um Punkt zwölf standen wir draußen auf der Straße, haben geknallt ... und waren ganz allein. Ja, niemand sonst von den Nachbarn stand draußen, so konnten wir keinem von ihnen ein frohes neues Jahr wünschen. Wir sind das aus Deutschland so gewöhnt, dass um Mitternacht alle rausgehen und sich grüßen, ob man sich nun kennt oder nicht. Doch diesmal war es nicht so. Ich weiß nicht, ob man das in England generell nicht macht, ob unsere Nachbarn vielleicht alle in die Innenstadt gefahren waren, zu den großen Partys, oder ob sie Neujahr einfach nicht feiern, weil sie nach anderen Kalendern leben. London ist ja sehr multikulturell.
Das war etwas schade, denn wir versuchen ja, möglichst viel am sozialen Leben hier teilzunehmen. Unser Kleiner ist jetzt zum Beispiel in einer Babyschwimmgruppe. Ich bin da auch mal mitgegangen, das ist schon sehr witzig, wenn da englische Babylieder geschmettert werden - splish, splash, splosh!
Überhaupt ist es sehr befreiend, wie ungezwungen man sich hier bewegen kann. Ihr habt vielleicht gelesen, dass ich vor kurzem mit Journalisten aus der alten Heimat an der Themse war, als mich ein junges spanisches Paar bat, sie mit Big Ben im Hintergrund zu fotografieren. Das war ein schönes Erlebnis, weil es sonst immer umgekehrt ist und jemand Fotos von mir machen will. Hier wird man eben nicht überall erkannt - und das ist erfrischend.
Leider hatten wir bisher kaum Zeit, die Stadt richtig zu erkunden. Nicht einmal das normale touristische Programm konnten wir machen. Sehenswürdigkeiten wie eben Big Ben oder das London Eye kriege ich hauptsächlich dann zu sehen, wenn ich solche Interviews gebe und die Fotografen dann einen Ort für typische London-Bilder suchen.
Der Mangel an Zeit liegt natürlich an dem anstrengenden Programm, wir haben ja keine Winterpause und spielten auch über die Feiertage. Zum einen macht das riesigen Spaß, denn die Atmosphäre in den Stadien ist gerade zu diesen Terminen sensationell, die Fans saugen den Fußball dann richtig auf. Doch dem Sportler geht dabei der Sinn für das Fest verloren. Die Ruhe, die man sonst mit Weihnachten verbindet, ist nicht da, du bist immer fokussiert, immer in deinem Tunnel, und richtest alles nach den Spielen aus. Es ist schon sehr speziell - aber genau deswegen bin ich ja hier, um das zu erleben!
Ein Familiengefühl wie früher hatten wir dann aber doch, denn meine Familie kam zum Fest zu uns nach London, so gesehen hat es an nichts gefehlt. Nur meinem Körper, dem fehlte die Pause, die er gewohnt war. Ich habe schon während der Spiele am 31. Dezember und am 2. Januar gemerkt, dass da was im Anflug war, aber ich habe auf die Zähne gebissen. Nach dem Fulham-Spiel aber musste ich pausieren, weil ich mir was eingefangen habe. So nimmt sich dann der Körper seine Pause von ganz allein und verlangt nach Ruhe.
Das war auch ein Grund, aus dem ich am Montag nicht gespielt habe und stattdessen zu Hause war, um dem Körper komplette Ruhe zu gönnen. So habe ich Thierry Henrys unglaubliches Comeback leider nicht im Stadion erlebt. Wahnsinn. Für mich war es schon ein Erlebnis, dass er bei uns mittrainiert hat, um sich fit zu halten. Dann hat der Trainer bekannt gegeben, dass wir Teamkollegen sein werden. Und jetzt ist er auch noch ein Teamkollege, der Spiele für uns entscheidet! Ich sag's noch mal: Wahnsinn. Eine Legende ist zurückgekehrt, anders kann man das nicht ausdrücken.
Ich hoffe, ich kann von weiteren Erfolgserlebnissen und tollen Ereignissen dieser Art berichten, wenn ich mich das nächste Mal bei euch melde.
Bis dahin viele Grüße und alles Gute!
Euer Per





